Der Zauberer und sein Lehrling | Forum

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helzg Jan 12 '16

“... Phönixfedern kann man als Ersatz für Drachenfeueressenz verwenden, da man Stoffe der fünften Stufe durch Stoffe der sechsten Stufe austauschen kann, wenn sie dem gleichen Element angehören. Drachenfeueressenz kann man mit Feuerblumenstaub tauschen, da man Stoffe der vierten Stufe ebenfalls austauschen kann.”, erklärte Markus Medias, mein Meister und Lehrer der Zauberei, monoton.”Feuerblumenstaub nimmst du als Ersatz für Eibenasche …”


Langsam schlossen sich meine Augen, der Unterricht war wie immer langweilig und trocken.

Ich hatte letzte Nacht wieder lange in den Büchern gelesen, die mich mehr interessierten. Dämonen unser Welt, Das Leben von Drachen und Greifen und von den Zwergenkriegen, denn es gab unzählige Sachen die mich mehr reizten als die Abfolge der Alchemistischen Stoffe und deren Regeln beim Brauen von Tränken.

“Moritz! MORITZ!!”, Meister Medieas stand mit verschränkten Armen vor mir. “MMoorriittzz, ist dir mein Unterricht wieder zu langweilig? Dann beantworte mir folgende Frage: Darf man Eibenasche durch Phönixfedern austauschen??”

Ich spüre richtig wie mich der Blick meines Meisters durchbohrte. Ich senkte den Kopf und sagte zögernd: ”Ja.”


“DAS IST FALSCH!”, schrie er und riss die Hände in die Luft. “Moritz, was soll ich mit dir machen?? Du bist alleine diese Woche schon ein gutes Duzend mal in meinem Unterricht eingeschlafen.” Medieas drehte sich um und sah aus dem Fenster.

“Moritz, diese Wissensgrundlage ist wichtig. Du wirst es nicht nur in der Alchemie brauchen, sondern auch bei Beschwörungen und andern Zaubertechniken.”


Er schwieg und ich wusste, dass er nach dachte, was er nun mit mir mache. Vorgestern musst ich als Strafe am Nachmittag dem Stalljungen helfen und gestern dem Koch. Es waren schwere Arbeiten die mich zur Vernunft bringen sollten, doch waren die andern Bücher zu interessant, was mich, wie heute, wieder einmal in Teufelsküche brachte.


Meister Medieas hatte sich beruhigt und sagte: ”Ich werde etwas neues probieren. Du wirst mir einen Vortag über das Thema ‘Die Abfolge der Alchemistischen Stoffe und deren besonderen Regeln’ halten. Ich gebe dir bis morgen früh Zeit. Du darfst alle Bücher verwenden, die dir weiter helfen, doch ich rate dir zu dem Alcamex und Alchemarieon.”


Ohne ein weiteres Wort zu sagen oder mich auch nur anzusehen, verließ Meister Medieas den Raum. Ich spürte, dass er von mir enttäuscht war. Tag für Tag gab er sich Mühe mir alles beizubringen. Irgendwie schämte ich mich und ich wusste, dass er es nicht verdient hatte.


Sofort ging ich zu den drei großen Regeln die an der Wand rechts standen. Das rechte und mittlere Regal war mit Büchern, Pergamenten und Magazinen gefüllt, diese stammten aus den verschiedensten Zeiten und Fächern und sind der Schatz jedes guten Zauberers. Der linke Schrank war mit Dosen, Flaschen und Tupperdosen gefüllt, dort waren die Zutaten wie Froschaugenpulver, Phönixtränen und vieles mehr gelagert. Diese Sachen nimmt Meister Medieas für seine Zauberei, um mir das ein oder andere zu zeigen.


Mit der Suche begann ich im mittleren Regal ganz unten. Schnell fand ich den Alchemarieon, ein schlichtes, graues Buch und dachte: Es sieht genau so langweilig aus, wie sein Inhalt sein wird. Nach einem kurzen Seufzer machte ich mich weiter auf die Suche. Ich brauchte ja noch den Alcamex. Die Suche dafür zog sich in die Länge, denn erst beim dritten Mal sah ich es. Ein kleines, braunes, ledernes Buch mit einer feinen golden Klappenaufschrift Alcamex. Dieses war wie es sein musste im linken Schrank, in der obersten Reihe. Ich streckte mich so sehr, dass ich auf meinen Zehenspitzen stand. Meine Finger versuchten es zu packen, doch der Alcamex wollte nicht. Er rührte sich kein Stück. Um an das Buch besser ran zu kommen, kletterte ich das Regal hoch. Ich zerrte nun mit aller Kraft am Buch und beim vierten Ziehen hatte ich es in der Hand, doch merkte ich ebenfalls, wie mir auch alle andern Bücher und Magazine aus der Reihe entgegen kamen. Dieser Hagel traf mich mit voller Wucht und ich landete mit den Büchern hart auf dem Boden.


Die Welt dreht sich und mir schmerzte der ganze Körper. Ich lies den Kopf nach rechts rollen. Langsam ließen die Schmerzen nach und in dieser Ruhe las ich die Titel: “Greifen der Welt”, “40 Wege zu mehr Haar”, “500 Verwendungen für Schneckenkotze” und viele mehr. Dann fiel mir ein besonderes Buch auf: “Dämonologie für Anfänger”. Ich richtete mich auf, nahm es und fing an zu lesen.


Vorwort:

Diese Buch soll der erste Schritt zum Meister der Dämonologie sein. Jeder träumt davon seine Liebsten wieder zu sehen, doch diesen Wunsch kann dir niemand erfüllen.

Hier wirst Du andere Sachen lernen: Wie du dir einen Diener oder ein Freund beschwören kannst, Leute mit Hilfe von Bannzaubern zu retten, oder ihnen mit Flüchen das Leben zur Hölle zu machen. Die Dämonologie ist vielschichtig und hält tausend Wege für dich bereit. Doch du bestimmst selbst, wie du sie anwendest. Du wirst hier nur die Grundlagen lernen, die dir einen kleinen Einblick in die riesige Welt der Dämonologie geben.

Viel Spaß mit diesem Buch und mit deinen ersten Schritten in einer neuen Welt.

Ich vergaß alles, meine Aufgabe, meine Schmerzen und die Zeit.


Ich las und las bis zum Kapitel über Kobolde.


Kleiner Hausdämon, der immer zu Streichen aufgelegt ist, doch sind sie auch sehr hilfreich und verrichten allerlei Arbeiten in den von ihnen bewohnten Häusern. Gibt man ihnen eine Schale mit Milch sind sie zufrieden, doch wenn nicht werden sie schnell sehr böse.

“Cool, ein kleiner Helfer, da muss ich nicht mehr alles allein machen.”, sagte ich und las laut weiter: “Sie brauchen drei Kerzen, ...mmh… eine Geifenfeder, dreizehn Morlockaugen und …. Oh man die Liste geht auf der andern Seite weiter. Ich hoffe ich finde alles.”



Es dauerte Stunden bis ich alles Vorbereitet hatte. Freudig stand ich vor meinem Werk. Ich hatte verschiedene Runen, Glyphen und Symbole kreisförmig auf den Boden gezeichnet, manche mit Kreide, andere mit Kohlen und ein einzelne Rune mit meinem Blut. In der Mitte des Kreises waren vier Schalen, die ich mit Mischungen aus den verschiedenen anderen Zutaten gefüllt hatte. Ich hatte jede Einzelheit, die im Buch beschrieben war, penibel beachtet, damit ich keinen Fehler machte.


Und um nun sicher zu gehen, dass ich auch den Zauberspruch beherrschte, las ich ihn mir ihn noch mal durch: “Om Aim Saraswatyai Namaha”. Ein Mantra, welches ich bis zur Vollendung des Rituals immer wieder wiederholen sollte. Ich setze mich, wie beschrieben, im Schneidersitz an den Rand des Kreises vor die blutrote Rune und drückte die Hände, wie zu einen Gebet zusammen. Langsam begann ich das Mantra aufzusagen und mit jeden Mal wuchs mein Spannung.

Nach einer Minute geschah nichts, innerlich fragte ich mich schon, ob ich etwas falsch machte. Bis ich links von mir einen kleinen Blitz sah. Ohne das Mantra zu unterbrechen sah ich nach links und rechts. Immer mehr kleine Blitze kamen. Sie waren klein, nicht länger als 5 cm, doch sah ich, wie sie immer länger wurden.

Nach weiteren drei Minuten brauchte ich alle mein Konzentration. Ich musste das Mantra weiter aufsagen, doch jeder Blitz vor mir brachte mich fast dazu vor Begeisterung auf zu springen. Die Blitze sprangen wie ein Lichtbogen von der einen Seite des Kreises zu anderen. Was jedoch das schönste war, durch ihre immer steigende Anzahl sahen sie wie eine Halbkugel aus, die mit ihren hell, leicht bläulichen Licht vor mir strahlte.

Die Halbkugel wurde immer glatter und leuchtete mit jeder Minute heller, bis sie “Puff” einfach verschwand.

Der Raum wirkte auf mich dunkel und die Sicht war durch einen sich ausbreitende Dunstwolke erschwert, doch bei genauen hinsehen bewegte sich etwas in der Mitte des Kreises. Ich erkannte nur einen Schatten, der sich langsam aufrichtete.


“Hallo.”, rief ich, “Ich bin dein Meister mein Kleiner.”

Die Wolke lichtete sich und ein 60 Zentimeter großer Kobold erschien. Seine Haut hatte gräulich-bläuliche Farbe und hing schlaff an seinem Körper. Sein Kopf hatte eine spitzte, längliche Nase, dicht anliegende, längliche Ohren und er hatte keine Haare.

Seine Augen sahen mich groß und weiß an. Sie fixierten mich und betrachteten mich mit riesiger Neugier und einem Hauch Angst.

Ich hob mein Hand, sofort rannte der Kobold zur Türe und presste sich dagegen, um sich noch kleiner zu machen. Behutsam stand ich auf und näherte mich langsam und geduckt. Schritt für Schritt äußerst vorsichtig. Doch ich erkannte, wie seine Angst wuchs. Mit einem Hechtsprung wollte ich ihn packen, doch wich er mir aus und ich donnerte ungebremst gegen die Tür. Der Kleine rannte durch den Raum den linken Schrank hoch und versteckte sich dort.

Mit der rechten Hand drückte ich auf meinen Kopf und merkte wie ich eine Beule bekam, in mir kochte es. Ich wollte den Kleinen schnappen und schnell rannte ich los und kletterte wie von der Tarantel gestochen das Regel hoch.

Ich erblickte ihn mit wüteten Blick. Erschrocken trat der Kobold mir eine Flasche ins Gesicht, diese zerbrach und eine brennende Flüssigkeit kam in meine Augen. Verzweifelt nahm ich meine Linke zum Gesicht, um es damit abzuwischen. Doch bevor ich das konnte, löste sich meine rechte Hand. Kurz spürte ich wie ich blind fiel, bis mich der harte Boden erbarmungslos bremste.

Die Schmerzen waren grauenvoll und raubten mir den Atem, doch ein Klirren und Knacksen sagte mir, dass da noch was kam.

Krachend landete der Schrank auf mir.

Ich spürte nichts kein Schmerz, keine Wärme, keine Gefühle die Welt wurde einfach nur Dunkel.



Der Gerüche von Blumen kitzelten in meiner Nase. Lavendel, Zitronenkraut, Goldlack, Schokoladenblumen und viele mehr erkannte ich. War das der Himmel? Eine duftende Wiese?


Plötzlich hatte ich Schmerzen, mein Gesicht brannte, in meiner Brust stach es und meine Arme und Beine pochten und jede andere Stelle meines Körpers tat auf eine andere Art und Weise weh. Die Welle traf mich hart und ich wusste: Ich war nicht tot. Jedoch konnte ich mich nicht bewegen. Ich war einfach schwach und so schwach das ich meine gesamte Kraft brauchte, meine Augen einen Spalt weit zu öffnen, um etwas zu sehen.

Meister Medieas saß neben mir. Er war nicht böse, sondern sah mich nur voller Sorge an.


“Ach mein Junge. Was machst du nur für einen Blödsinn?”, sagte er leise und gefühlsvoll. “Du warst eine Woche an der Schwelle zum Tod und ich hatte Angst. Angst dich zu verlieren.” Langsam beugte er sich zu mir und flüsterte mir ins Ohr: ”Bitte versprich mir, dass du nie wieder so etwas machst!”

Medieas lehnte sich wieder zurück und atmete schwer durch.

“Mein Junge, ich weiß mein Unterricht ist langweilig und ich werde mir Mühe geben das zu ändern, doch bitte zaubere oder turne nie wieder ohne mich. Noch einmal überlebe ich das nicht, dieser Schock dich da so liegen zu sehen war zu viel für mich.”

Ich versuchte zu sprechen doch sofort drückte mein Meister seinen Finger behutsam auf mein bandagierten Mund.

“SSSSSS, Ruh’ dich aus. Wir haben noch genug Zeit zum Reden. Du musst nun aber deine Kräfte schonen.”, sagte er und ich sah wie ihm Tränen in die Augen stiegen, “Ich werde dich noch weiter schlafen lassen, damit es dir morgen besser geht.”

Er drehte sich um und nahm eine kleine Dose, in der ein weiß-gräuliche Salbe war. Vorsichtig strich er mir diese unter die Nase. Der Geruch der Blumen wurde wieder stärker, ich merkte wie die Schmerzen nachließen und ich langsam wieder ins Reich der Träume abdriftete.


Noch ganz leise aus der Ferne hörte ich: ”Ich werde bei dir sein, egal was passiert, mein Junge.”


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